Online-Tutorials

1.    Definition

Mit einem Tutorial im ursprünglichen Sinne wird ein Dokument bezeichnet, das dem Nutzer einer Software eine Einführung in die wichtigsten Funktionen des Programms gibt.

Heutzutage versteht man unter Tutorials aber kaum noch reine Textdateien, sondern multimediale (Ton, Bild und Schrift) Dateien. Es gibt mittlerweile Tutorials zu den verschiedensten Themen, es handelt sich dabei immer um eine Form der Anleitung oder Einführung, die Schritt-für-Schritt nachvollzogen werden kann.

Tutorials können einerseits rein informierend sein, d.h. dass sie dem Nutzer Lerninhalte nur präsentieren (z.B. Videos, Texte), andererseits gibt es auch viele interaktive Tutorials, bei denen der Nutzer aktiv Problem lösen oder Lösungsschritte nachvollziehen muss, um voranzukommen.

1.1  Formen von Tutorials

  • Reine Textdatei (heute weniger gebräuchlich, Beispiel s.u.)
  • Textdatei mit Bildern / Videos
  • Videos oder selbstablaufende PowerPointPräsentationen (oft mit Kommentaren und erklärendem Text und / oder aufgesprochenem Text)
  • Interaktive Präsentation, deren Geschwindigkeit / Ablauf vom User beeinflusst werden kann
  • Mischformen dieser Formate (z.B. LOTSE)

Im bibliothekarischen Umfeld scheint der Begriff Online-Tutorial noch nicht eindeutig definiert zu sein, da er von der reinen Informationspräsentation bis hin zur sehr umfangreichen eLearning-Umgebung reichen kann. Meistens werden bibliothekarische Online-Tutorials als multimediale, oft interaktive Schritt-für-Schritt-Anleitungen zum Gebrach bibliothekarischer Einrichtungen und Services oder aber auch zur Vermittlung von Informationskompetenz genutzt.

Ein Tutorial bildet allgemein eine abgeschlossene Lern- / Informationseinheit (z.B. Erklärung des OPAC), dieses kann in mehrere Module aufgeteilt sein, die sich jeweils mit Einzelaspekten beschäftigen (z.B. Zeitschriftenrecherche, Vormerkung, Literaturliste ausdrucken…).

2.    Technik und Nutzung

Je nach Art des Tutorials, das man erstellen möchte ist die Erstellung unterschiedlich komplex. Grundsätzlich sind folgende Schritte zu erledigen:

  • Überlegen, was präsentiert werden soll
  • Am besten erstellt man sich ein kleines Drehbuch
  • Screenshots / Fotos / Videosequenzen erstellen
  • In Präsentation einfügen
  • Mit Grafiken, einfachen Navigationselementen und Textfeldern (Callouts) versehen
  • ggfs. Tonspur aufnehmen und einfügen
  • Präsentation von einer Software rendern (schneiden) lassen (zu einer Flash-Animation)
  • Flash-Datei wird inkl. Steuerleiste in Website eingebettet

2.1  Video

Es kann mit normalen Videos gearbeitet werden, aber auch mit sogenannten Screencasts. Bei letzteren wird der Monitor bei der Nutzung einer Software mitgefilmt und dann als Grundlage für ein Software-Tutorial genutzt. Ein Beispiel für ein Tutorial, das die Screencast-Methode verwendet, findet ihr hier: PSYNDEX Tutorial

 

3.    Zweck und Einsatzgebiete anhand von Beispielen

Allgemein werden Online-Tutorials häufig als Anleitungen für das Programmieren verwendet. Hierzu werden oft noch Textdateien genutzt, die das Vorgehen schildern und ggfs. noch Tipps enthalten, allerdings bieten sich gerade hier auch Tutorials an, die das Screencast-Verfahren nutzen. Ein Beispiel für ein klassisches Text-Tutorial ist folgende Seite: Programmieren lernen

Es gibt mittlerweile für zahlreiche Aktivitäten Kurse in Online-Varianten, mit denen man sich selbständig diverse Themen erarbeiten kann. Beispielsweise folgender Foto-Kurs, bei dem Videos, Bilder und Text miteinander kombiniert werden: Foto-Kurs). In guten Tutorials werden komplexe Themen sehr anschaulich dargestellt und das Lese- / und Lerntempo kann vom User selbst bestimmt werden, wie in diesem medizinischen Online-Tutorial:Medline – Burns

Unter anderem zu Werbezwecken werden gerne interaktive Tutorials genutzt, um dem potentiellen Kunden ein neues Produkt vorstellen. Bei dieser Art des Tutorials kann der User nicht nur das Tempo der Präsentation bestimmen, sondern durch individuelle Einstellungen kann er aktiv an der Präsentation mitwirken. Hier ist ein Beispiel für ein sehr professionelles, interaktives Tutorial: FTronik

In FaMI-Betrieben gibt es ebenfalls zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten für Online-Tutorials:

Bild

4.    Stärken und Schwächen

Eine wesentliche Stärke von Online-Tutorials (wenn sie sinnvoll gestaltet sind!), ist ihre Anschaulichkeit und ihre Praxisnähe. Insbesondere für Software-Einführungen oder andere computerbasierte Themen sind sie gut geeignet, da die tatsächliche Anwenderoberfläche (durch Screenshots und Bilder / Videos) und die dazugehörigen Anleitungen angezeigt werden, die dann Schritt-für-Schritt nachvollzogen und auf die Arbeit mit dem tatsächlichen Programm übertragen werden können.

Ebenfalls vorteilhaft ist, dass durch das selbständige Erarbeiten des Tutorials die individuelle Lerngeschwindigkeit berücksichtigt wird und das Lernen selbstkontrolliert geschieht, wodurch sich die Lernmotivation und der Lernerfolg erhöht. Außerdem kann dieses Lernen orts- und zeitunabhängig stattfinden, sodass es weniger Lernhemmnisse gibt.

In FaMI-Einrichtungen (insbesondere in Bibliotheken) können die Tutorials zur Entlastung des Auskunftspersonals beitragen, da viele Fragen der Kunden so schon im Vorfeld geklärt werden oder diese auf die Tutorials verwiesen werden können.

Eine weitere Stärke der Online-Tutorials liegt – insbesondere für die Nutzung im FaMI-Bereich – darin, dass über Verlinkungen ein direkter Zusammenhang z.B. mit der vorgestellten Datenbank oder dem jeweiligen Rechercheinstrument hergestellt werden kann.

Mit Tutorials lässt sich eine (zumindest theoretisch) unbegrenzte Teilnehmerzahl erreichen, sodass beinahe jeder von derartigen Angeboten profitieren kann und nicht nur eine begrenzte Gruppe, wie es bei klassischen Kursen der Fall ist.

Der Einsatz von Online-Tutorials hat aber trotz aller Vorteile auch seine Schwächen. So setzt die Nutzung dieser Informationsangebote bereits ein gewisses Grundwissen im Umgang mit Computern voraus. Dieses Problem kann umgangen werden, indem bspw. in der Bibliothek ein Bildschirm steht, auf dem die Präsentation abläuft, jedoch gehen bei dieser Methode viele Vorzüge der Online-Tutorials verloren (z.B. Zeit- und Ortsunabhängigkeit). Andererseits fördert die Nutzung eines Online-Tutorials natürlich auch die Medienkompetenz der User, gerade auch derer, sie sich bisher nicht so gut mit Computern auskennen…

Ähnliches gilt auch für das Personal, das nicht nur über entsprechende Computerkenntnisse verfügen muss, um ein Online-Tutorial zu erstellen, sondern auch über ausreichend Zeit und Kapazitäten. Dadurch können das Erstellen und die Pflege eines Tutorials (je nach Komplexität und Aktualität) recht zeit- und kostenintensiv werden.

Fazit

Tutorials können also gerade in FaMI-Einrichtungen gut zur Einführung neuer Themen / Services / Angebote genutzt werden und auch als Selbstlernangebot können sie große Dienste leisten. Jedoch können die Programme nicht alle Fragen beantworten, so dass immer die Möglichkeit bestehen sollte, beim Bibliothekspersonal Nachfragen zu stellen oder sich Einzelheiten noch einmal genau erklären zu lassen. Außerdem kann aufgrund des hohen Arbeitsaufwands auch nicht für jedes Thema ein Tutorial erstellt werden, sodass man lieber einige wenige, dafür aber sehr gute Tutorials entwickeln sollte.

Quellen

  • http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Archiv/77336/tutorial-v7.html (Stand: 05.11.2013)
  • Rauchmann, Sabine: Die Vermittlung von Informationskompetenz in Online-Tutorials: eine vergleichende Bewertung der US-amerikanischen und deutschen Konzepte. Potsdam, 2002. S. 32-35 und 77-78
  • Pfeffer, Jörgen: Online-Tutorials an deutschen Universitäts- und Hochschulbibliotheken: Verbreitung, Typologie und Analyse am Beispiel von LOTSE, DISCUS und BibTutor. Köln, 2005. S. 30-44
  • Schröder, Nadine: Die Vermitllung von Recherchekompetenzen in Online-Tutorials – eine vergleichende Analyse an ausgewählten Beispielen wissenschaftlicher Bibliotheken. Köln, 2011. S. 25-27
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